Der Mathematiker mit Pep

Reto Schuppli: Zur Weihnachtszeit jeden Tag eine neue Krawatte. Bild: Alexander Wolfensberger

Reto Schuppli: Zur Weihnachtszeit jeden Tag eine neue Krawatte. Bild: Alexander Wolfensberger

Eine typische Wohnung in dem ländlichen Ort Matzingen. Klassische Musik spielt leise im Hintergrund, Dutzende Pflanzen zieren das behagliche Wohnzimmer, und der Zucker zum Kaffee hat die Formvon Herzen. Doch der Bewohner dieser Wohnung ist alles andere als gewöhnlich. Reto Schuppli aus dem Kanton Thurgau fasziniert mit seiner witzigen und warmherzigen Art. Fragen müssen gar nicht erst gestellt werden, da Schupplis redseliger Charakter die Unterhaltung am Leben erhält. Er schweift gerne ab, was wiederum zu Erzählungen witziger Anekdoten führt.

Sein Weg zur HSG

Schuppli wusste bereits anfangs des Gymnasiums ganz genau, was er studieren wollte: nämlich Jus. Seine Pläne änderte er erst kurz vor Studienbeginn, als er auf die Idee kam, trotzdem Mathematik zu studieren. «Nur etwas wusste ich: Lehrer wirst du nie. Und was bin ich geworden? Lehrer! » Gab er zu Beginn nur wenige Mathestunden, folgten bald feste Pensen. Momentan ist Schuppli an der PH fest angestellt, zudem doziert er an der Uni St. Gallen.

Lehrer der Herzen

Schuppli ist unter den Studierenden sehr beliebt, weil er die kompliziertesten Sachverhalte einfach erklären kann. In seinen Vorlesungen kann man sich auch darauf verlassen, dass er kurzweilig vom Thema abschweift, um gelegentlich eine amüsante Geschichte zu erzählen, nur um dann am Schluss zu sagen, dass er diese Erzählung gerade erfunden hat.

«Die meisten Mathematiker sind Menschen mit einem hohen Symmetrie- und Ordnungsgefühl. Da gibt es zwei Typen: der Musikalische und der ‹Tüpflischiesser›. Ich gehöre zu Letzterem.» Mit seinem einnehmenden Lachen und seiner Begeisterung für die Mathematik macht er jede Vorlesung zu einem besonderen Erlebnis. Auch die Weihnachtszeit ist für alle Besucher von Schupplis Vorlesungen ein Highlight. Täglich trägt Schuppli eine andere Krawatte mit Weihnachtsmotiv. Die ausgefallensten Modelle sind jene mit Musik und Lämpchen.

Wenn Schüler den Lehrbeauftragten beispielsweise nach dem Nutzen der komplexen Zahlen fragen, gibt er folgende Antwort: «Stellen Sie sich vor, Sie stehen in Zürich an der Tramhaltestelle beim Zoo um halb zwölf nachts. Das letzte Tram kommt, sie werfen das Geld ein und es kommt kein Ticket. Was helfen Ihnen jetzt die komplexen Zahlen? Natürlich nichts, aber es gibt einem eine gewisse Überlegenheit.»

Alaska und Sudoku

Wenn der Mathematik-Lehrbeauftragte nicht gerade Gleichungen löst, rätselt er zu Hause mit seiner Frau an den kniffligen Levels von Candy Crush oder Sudoku, «da ist sie aber viel besser », gibt er zu. Wichtig ist dem Ehepaar auch das Reisen nach Kanada oder Alaska, um dem Alltag zu entfliehen. Ruhige Ferien am Strand stehen für sie nicht an erster Stelle. Für eine Woche abgeschiedene Wildnis sind sie immer zu haben. Einmal in der Woche trifft sich Reto Schuppli auch mit seinen langjährigen Kumpels zum Fussballspielen. Dieser Abend ist ihm heilig, denn «das ist eigentlich mehr ein psycho-hygienischer Vorgang».

Rat an die Assessies

Generell sollte man die Vorlesungen und die Übungen besuchen, doch besonders die Übungen seien unentbehrlich, sagt der 58jährige Schuppli. Die Studenten sollten nicht zusätzlich das Uniseminar besuchen, denn «ich halte das Uniseminar für ein Geschäft mit der Angst». Und mit der richtigen Einstellung und Initiative sei das Studium gut machbar, denn Unmögliches werde schliesslich nicht gefordert.

0 Kommentare zu diesem Artikel


Schreiben Sie einen Kommentar