Roman Capaul: Sturkopf mit Durchhaltewillen

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Wenn Roman Capaul in der Eröffnungsveranstaltung vor dem vollen Audimax steht, weiss der Leiter des Assessmentjahres was er tut. Zum neunten Mal darf er mit dem Team der Startwoche diese organisieren. Die immense Aufmerksamkeit der Maturanden überwältige ihn dennoch jedes Jahr wieder, «es ist still wie in einer Kirche.» Entsprechend lange tüftelt er an den ersten Worten seiner Rede, die den Weg vom Maturanden zum HSGler einläutet. «Wir bringen den neuen Studierenden den Respekt entgegen, den sie verdienen.» So soll sich jeder und jede nach dieser Woche an der HSG zu Hause fühlen. «Gleichzeitig möchten wir aber auch aufzeigen, was es braucht, um das Assessmentjahr zu bestehen.» Interesse an der Materie und der entsprechende Durchhaltewille seien wichtig für den Erfolg.

Seebueb und Ruderer

Was Durchhaltewille bedeutet, weiss Capaul auch dank seines Hobbies. Mindestens einmal pro Woche, im Sommer sogar zweimal, steigt der Rorschacher mit drei Kollegen in den Doppelvierer, ein schmales Ruderboot. Sein Revier ist der alte Rhein, der in sein Heimatgewässer, den Bodensee mündet. «Ruderer sind spezielle Persönlichkeiten. Wir sind Sturköpfe und mit eisernem Willen ausgestattet.» Nur so halte man die anforderungsreichen Trainings durch. Kennt man Roman Capaul als Arbeitskollegen, weiss man, dass beide Eigenschaften positiv zu verstehen sind. Persönlich hätten sie ihm zudem in verschiedenen Lebenssituationen entscheidend geholfen.

Auch der Zusammenhalt unter den Ruderern sei einmalig. Ins Boot steigt er nur mit langjährigen Kollegen, seit vier Jahren in einem fixen Team. «Im Boot verstehen wir uns ohne Worte. Dies ist besonders wichtig, da wir nicht in die Fahrtrichtung blicken.» Jeder wisse die Bewegungen der anderen richtig zu deuten. Dies sei speziell in seiner Position am Spitz des Bootes wichtig.

Treuer HSGler

Es war auch eine enge Verbindung ans Institut für Wirtschaftspädagogik, welche Capaul nach Abschluss seines Studium an der HSG hielt. Das Angebot seines späteren Doktorvaters Rolf Dubs während der letzten Prüfung konnte er nicht ausschlagen – und so kehrte er nach dreimonatiger Auszeit in Australien wieder zurück an den Rosenberg. Seither ist der magister oeconomicus an der HSG geblieben. Nach dem Doktorat kam noch die Habilitation dazu. Der mehrfache Buchautor ist weiterhin glücklich an der HSG. Routine ist ihm ein Fremdwort, «ansonsten müsste ich mich sofort nach etwas Neuem umschauen.» Die Arbeit am Institut bietet genau die Balance aus Forschung und Praxis, welche er sich immer wünschte. Auch das Assessmentjahr verändert sich ständig, genauso die Studierenden. So macht sich Capaul auch keine grossen Gedanken über die Zukunft. Bisher habe sich alles so ergeben, dass es gepasst habe.

Der Familienmensch

So idyllisch die Arbeit an der HSG klingt, Forschung, Lehre und externe Projekte nebeneinander geben viel Arbeit. Dankbar ist der Familienvater seiner Frau Ruth, mit welcher er ein langjähriges und erfolgreiches Team bildet. Trotz der vielen Arbeit finden die Capauls Zeit für ihren grossen Garten und den eigenen Rebberg.

Vom Stolz auf seine Kinder zeugen die Bilder, welche das Büro dekorieren. Eines zeigt die Tochter Linda beim Musizieren, von Sohn Raphael findet sich ein Ferienfoto. Darauf angesprochen, ob eines der beiden in seine Fussstapfen treten könnte, retourniert er lächelnd: «Die beiden wissen noch nicht genau wohin es sie zieht. An die HSG aber sehr wahrscheinlich nicht.»

(Pascal Fischer)

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